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Soja-Präparate

Nutzlos bis gefährlich

Experten können keine deutlich positiven Wirkungen gegen klimakterische Hitzewallungen erkennen. Sie warnen vielmehr vor dem möglichen Risikopotential.

Seit die Hormontherapie in die Kritik geraten ist, keimen bei Produzenten von Sojapräparaten neue Umsatzhoffnungen: Die Bohne könne Hitzewallungen & Co in den Wechseljahren auf sanfte und ungefährliche Weise lindern, suggerieren sie in Werbungen. Experten sehen das skeptisch. Sie erkennen keine deutlich positiven Wirkungen, sondern warnen vielmehr vor dem möglichen Risikopotential für die Brust und die Gebärmutter.

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Unstrittig ist, dass Soja viele gesunde Bestandteile enthält: Die Bohnen bestehen aus reichlich hochwertigem Eiweiß und mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die vor Herz-Kreislaufkrankheiten schützen. Lecithin beruhigt die Nerven und Ballaststoffe kurbeln die Verdauung an. Zudem beinhaltet Soja pflanzliche Hormone, die Isoflavone, die dem weiblichen Sexualhormon Östradiol ähneln. Dieses stärkste Östrogen schützt z.B. Adern vor Verkalkung, senkt den unerwünschten Cholesterinspiegel und verhindert Osteoporose. Ab etwa 45 Jahren produziert der weibliche Körper weniger Östradiol, dann sollen Isoflavone einspringen - so die Idee, die sich mit Sojapillen verbindet. Als Beleg für die Wirkung gelten Asiatinnen. Sie erleben weniger klimakterische Symptome und haben auch im Alter volle Haare und glatte Haut. Doch der Eindruck täuscht.

Placebos wirken so gut wie Sojapillen

Professor Wolfgang Wuttke von der Universitäts-Frauenklinik Göttingen analysierte 28 Untersuchungen zu Sojapräprodukten. Sein Ergebnis: Bei 21 der doppelblind placebokontrollierten Studien ergab sich keine positive Reaktion. "Das Scheinpräparat wirkte genauso gut", berichtet der Hormonexperte. In einem Fall habe ein Präparat sogar signifikant schlechter angeschlagen als das Placebo. "In den anderen Untersuchungen zeigten Sojaprodukte unterm Strich schwache Effekte." Doch Nachweise über Wirksamkeit sind von Sojapillen auch gar nicht gefordert: Als Nahrungsergänzungsmittel unterliegen sie nicht den strengen Bestimmungen des Bundesinstituts für Arzneimittel- und Medizinprodukte (BfArM). Auch die Sicherheit von Sojaartikel müssen Hersteller nicht belegen.

Ernährung bestimmt Brustkrebsrisiko von Japanerinnen

Nahrungsergänzungsmittel dürfen zwar keine Heilung versprechen - aber Reklame ist schließlich bekannt für ihre assoziative Kraft. Sojapräparate werden daher weithin mit dem "japanischen Phänomen" angepriesen. Dahinter verbirgt sich die Beobachtung, dass Japanerinnen seltener an Brustkrebs erkranken als weiße US-Amerikanerinnen. Wandern sie jedoch in die USA aus, entwickelt die nächste Generation genauso häufig ein Mammakarzinom wie ihre weißen nordamerikanischen Geschlechtsgenossinnen. Wissenschaftler machen dafür eine Umstellung der Ernährung verantwortlich, bei der Fleisch Soja verdrängt. "Es ist unbestritten, dass Japanerinnen seltener Brustkrebs haben", sagt Wuttke. Weitere Migrationsstudien zeigten jedoch, daß Soja den größten Schutz gegen Brustkrebs aber offenbar nur entfaltet, wenn es bereits während der Pubertät in größeren Mengen aufgenommen wird.

Sojamittel können Krebs fördern

Isolierte, hochdosierte Isoflavone in Sojapräparaten können die Gesundheit sogar schädigen. Die pflanzlichen Hormone vermögen nämlich gleiche Wirkungen zu entfalten wie synthetische Östrogene während einer Hormontherapie. Daher dürfen nur solche Frauen Sojapillen nehmen, die mit Sicherheit nicht an Brustkrebs erkrankt sind, der positiv auf Östrogen reagiert, urteilt Professor Josef Beuth vom Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität Köln. Dies könne mit Bestimmtheit aber erst nach dem Entfernen und Untersuchen eines Tumors gesagt werden. Wuttke berichtet von weiteren negativen Effekten: "Wir wissen aus einer italienischen Studie, dass das Krebsrisiko für den Uterus ab 150 Milligramm Sojaprodukte täglich über fünf Jahre genommen um knapp 3,8 Prozent steigt." Die empfohlenen Tagesdosen seien zwar mit 20 bis 30 Milligramm deutlich geringer. "Doch meine Angst ist, dass Frauen mehr schlucken, wenn sie das Gefühl haben, sonst keine Wirkung zu erzielen." Von Sojamitteln gegen klimakterische Beschwerden rät Wuttke daher dringend ab. "Die Gefahren sind zu groß."


Quelle: Nach Informationen von Professor Wolfgang Wuttke von der Universitäts-Frauenklinik Göttingen, von Professor Josef Beuth vom Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität Köln und dem Komitee Forschung Naturmed
Autor: Martina Janning
Stand: Jan 12, 2008


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