
Hormone gegen Beschwerden
Natürliches Progesteron kann sinnvoller sein als Östrogen
Zu Beginn der Wechseljahre sinkt zunächst der Spiegel des Hormons Progesteron. Die Folgen können Schlafstörungen und Gereiztheit sein.
Wenig Progesteron verursacht Monatsbeschwerden
Bei Wechseljahrsbeschwerden denken die meisten Frauen an einen Östrogenmangel. Doch dieses Hormon ist nicht immer allein für Gereiztheit oder Schlafstörungen verantwortlich. Wenn die Wechseljahre beginnen, produziert der Körper zunächst einmal weniger Progesteron. Erst allmählich stellt das Ovar auch die Östrogenproduktion ein.
Progesteron ist ein weibliches Sexualhormon aus der Gruppe der Gestagene und bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor. Daher ist sein Spiegel nach dem Eisprung, in der zweiten Hälfte des Zyklus, erhöht. Wird eine Frau tatsächlich schwanger, bleibt das Progesteronniveau hoch.
Wenn die Periode bei Frauen in den Vierzigern unregelmäßiger wird, und der Eisprung gelegentlich ausbleibt, deutet dies auf eine nachlassende Produktion von Progesteron hin. Die Beschwerden stimmen mit denen des Prämenstruellen Syndroms (PMS) überein, das ebenfalls durch zu wenig Progesteron entstehen kann: schwankende Stimmungen, Reizbarkeit und Spannungsgefühl in der Brust. Die Gabe von natürlichem Progesteron kann daher gerade zu Beginn der Wechseljahre sinnvoll sein, sagt die Gynäkologin Ingrid Gerhard: "Viele Frauen fühlen sich besser, wenn sie natürliches Progesteron anwenden."
Kombitherapie: natürliches Progesteron besser verträglich als künstliche Gestagene
Natürliches Progesteron gibt es als Kapseln und Cremes. Bei letzten ist die Konzentration, die den Körper erreicht, niedriger als beim Einnehmen. Die Cremes werden normalerweise auf den Oberschenkeln eingerieben und erreichen von dort den ganzen Körper. Wenn die Brust aufgrund fehlenden Progesterons sehr spanne, könnte es sinnvoll sein, eine Creme dort aufzutragen, erläutert Gerhard: "Da wir heute aber noch nicht genau wissen, wie das Zusammenspiel zwischen Östrogen und Progesteron bei der Entstehung von Brustkrebs ist, lautet die Empfehlung: Progesteronsalben nicht unnötig auf diese empfindlichen Regionen auftragen." Eine französische Studie zu einer kombinierten Hormontherapie mit Östrogen und Gestagen kommt allerdings zu dem Schluss, dass natürliches Progesteron synthetischen Gestagenen mit Blick auf Brustkrebs überlegen ist. Natürliches pulverisiertes Progesteron bewirkte auch bei längerfristiger Anwendung als einziges Gestagen kein gesteigertes Brustkrebsrisiko, sagte die Leiterin der so genannten E3N-Kohortenstudie, Professorin Francoise Clavel-Chapelon auf dem Weltkongress der Internationalen Menopause-Gesellschaft 2005 in Buenos Aires. Sie stützte sich dabei auf eine siebenjährige Studie mit fast 70.000 Frauen.
Körper baut synthetische Gestagene langsam ab
Wendet eine Frau nur natürliches Progesteron ohne zusätzliches Östrogen an, sieht Naturheilkunde-Expertin Gerhard keinen besonderen Nutzen gegenüber synthetischem Gestagen. Es sei individuell abzuwägen, welches Präparat in Frage käme: Eine Frau vertrage das eine besser, eine weitere das andere. Ein Vorteil künstlicher Gestagene ist Gerhard zufolge, dass der Körper sie weniger schnell abbauen kann. So lässt sich mit einer niedrigen Milligrammdosierung eine Langzeitwirkung erzielen. Natürliches Progesteron, sagt die Frauenärztin, reiche manchmal gar nicht aus, um die Wechseljahrsbeschwerden zu lindern.
Besser schlafen dank natürlichem Progesteron
Manche Experten schreiben natürlichem Progesteron in letzter Zeit eine besondere Bedeutung gegen Wechseljahrsleiden zu. Sie glauben, dass Hormonschwankungen viel häufiger als bislang angenommen nicht auf einen Mangel an, sondern auf eine Dominanz an Östrogen zurückzuführen sei. Deshalb sei es sinnvoll, seinen natürlichen Gegenspieler, das Progesteron, zu erhöhen. Im Punkte Schlafstörungen erwies sich diese Strategie als wirksam. Frauen mit Wechseljahren, die abends 300 Milligramm natürliches Progesteron einnahmen, schliefen deutlich besser, stellten Wissenschaftler des Max-Planck-Institutes in München fest. Ihre Untersuchung zeigte, dass die Wachzeiten der Frauen im ersten Drittel des Nachtschlafs um etwa ein Drittel abnahmen. Anders als herkömmlichen Beruhigungs- und Schlafmitteln verkürzt Progesteron den so genannten REM-Schlaf nicht. Das sind Schlafphasen, in denen wir träumen und Informationen verarbeiten. Nach den Ergebnissen der Münchener Forscher sorgte natürliches Progesteron sogar für einen leichten Anstieg dieser Abschnitte, vor allem im ersten Drittel der Nacht.











